Steve Kerr: Erfolgscoach und Trump-Kritiker

Oakland – Das Wort von Steve Kerr hat Gewicht. Wenn der Coach der Golden State Warriors spricht, dann hören nicht nur die Stars des Titelanwärters um Stephen Curry und Kevin Durant zu. Auch wenn es nicht um Basketball geht, findet Kerr interessierte Zuhörer.

So zählt der 52-Jährige zu den lautstärksten Kritikern von US-Präsident Donald Trump. Kerr spricht offen und differenziert über Themen wie illegale Einwanderung, Rassismus, Waffenkontrolle und US-Außenpolitik. «Es scheint unserer Regierung egal zu sein, dass Kinder tagtäglich in Schulen erschossen werden», sagte Kerr nach dem Amoklauf an einer High School in Florida im Februar.

Er selbst ist ebenfalls ein Opfer von Waffengewalt. Sein Vater, der renommierte Politologe Malcolm Kerr, wurde 1984 von zwei islamistischen Dschihadisten im Libanon hingerichtet. Kerr, der 1965 in Beirut geboren wurde und dort einen Großteil seiner Kindheit verbrachte, war damals 18 Jahre alt.

Basketball half ihm über den tragischen Verlust seines Vaters hinweg. Aus seiner aktiven Zeit dürfte den Fans vor allem ein Spielzug aus dem Jahr 1997 in Erinnerung geblieben sein. Nach Zuspiel von Michael Jordan versenkte Kerr den entscheidenden Wurf im sechsten Spiel der Finalserie gegen die Utah Jazz. Für die Bulls war es der zweite Titel in Serie und der fünfte in sieben Jahren. Dreierspezialist Kerr gewann in Chicago insgesamt drei Meisterschaften.

Als Spieler stand er aber meist im Schatten der Superstars Michael Jordan und Scottie Pippen. Als Trainer zählt er dagegen zu den ganz großen seiner Zunft. «Er ist ein Naturtalent (als Trainer)», sagte Gregg Popovich, Coach der San Antonio Spurs, über seinen ehemaligen Schützling. «Es hätte mich überrascht, wenn er keinen Erfolg hätte.» Kerr spielte insgesamt vier Jahre für die Texaner und gewann zwei NBA-Meisterschaften – 1999 und 2003.

Mit den Warriors steht Coach Kerr nun bereits vor seinem dritten Titel. 2014 übernahm er das Team und führte es seitdem stets ins Finale. Das gelang selbst seinem Mentor Phil Jackson weder bei den Chicago Bulls noch als Trainer Los Angeles Lakers.

In der aktuellen Endspiel-Serie führen die Kalifornier nach den ersten beiden Heimspielen in der Best-of-Seven-Serie gegen die Cleveland Cavaliers um Ausnahmesportler LeBron James mit 2:0. Nun stehen zwei Auswärtspartien an.

Mit Curry, Durant und Klay Thompson verfügt Kerr über ein in der Liga derzeit beispielloses Trio. Doch trotz der geballten Starpower ist es am Ende Kerr, der den Ton angibt. Fast immer zumindest. Denn im Laufe der Saison verordnete sich Kerr selbst eine kurze Auszeit und übergab im Spiel gegen die Phoenix Suns die komplette Verantwortung an seine Spieler.

«Ich war im letzten Monat nicht in der Lage die Mannschaft zu erreichen», sagte Kerr über die ungewöhnliche Aktion. «Sie sind genervt meine Stimme zu hören. Ich bin genervt meine Stimme zu hören». Kerr vertraut seinen Spielern und überlässt ihnen viel Selbstverantwortung. Das Resultat ist Teil des Erfolgsrezepts der Warriors.

Fotocredits: Marcio Jose Sanchez
(dpa)

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