Auch Deutschland im Football-Fieber

Berlin – Touchdown, Fumble, Line of Scrimmage – diese Begriffe sind dem Sportzuschauer längst nicht mehr fremd. American Football ist die neue Leidenschaft vieler Deutscher – zumindest an Sonntagabenden auf dem Sofa.

Die Zuschauerzahlen für NFL-Übertragungen im Free TV steigen stetig, und auch in den sozialen Medien muss sich Football keineswegs mehr verstecken. Bei Twitter beispielsweise macht der Hashtag #rannfl regelmäßig dem «Tatort» Konkurrenz. Deutschland ist im American-Football-Fieber.

Die NFL Europe war für viele der erste Kontakt mit der in Übersee so beliebten Sportart. Aber auch in der höchsten deutschen Spielklasse, der German Football League, wird guter Sport geboten. Und das nicht erst seitdem ProsiebenMaxx die Spiele im Free TV überträgt. Die Mitgliederzahlen des American Football Verband Deutschland e.V. haben sich seit 2007 fast verdoppelt.

«Offensichtlich hat die Jugend gemerkt, was für eine spannende Sportart das ist», kommentiert Christian Piwarz, der Pressesprecher des AFVD, das steigende Interesse. Aber von einem ganz neuen Phänomen will er nichts wissen. «Wir hatten schon Ende der 90er Jahre einen German Bowl mit über 30 000 Zuschauern in Hamburg», erinnert er. Dieser Zuschauerrekord von 1999 steht bis heute.

Obwohl Kinder und Jugendliche den Football entdecken, bleibt das Interesse an der GFL verhältnismäßig bescheiden. Der Großteil der Zuschauer guckt sich doch lieber das US-Original im Fernsehen an. Das liegt vor allem am Klassenunterschied zwischen den beiden Ligen. Allein vom Sport kann in Deutschland wohl kaum ein Footballspieler leben, darunter leidet die Qualität.

Besonders für junge talentierte Spieler ist der Reiz auf einem amerikanischen College zu spielen daher natürlich groß. Immerhin hat man von dort eine deutlich bessere Chance, es in die NFL zu schaffen. Sebastian Vollmer, Markus Kuhn und Björn Werner haben es vorgemacht.

«Man sollte den jungen Talenten alle Möglichkeiten geben, in die USA zu gehen», sagte Kuhn der Deutschen Presse-Agentur. «Und hoffentlich kommen sie irgendwann wieder – als Fans, als Spieler oder Coaches und bringen den Sport weiter, genauso wie wir es beim Eishockey und Basketball gesehen haben.» Kuhn hat vier Jahre als NFL-Profi in New York sein Geld verdient und meint: «Das American-Football-Level hat sich verbessert, weil das Coaching besser geworden ist. Aber ich glaube trotzdem, dass wir noch nicht da sind, wo wir eigentlich sein sollten und könnten.»

Moritz Böhringer ist der erste Spieler, der es aus einer europäischen Liga direkt in ein NFL-Team geschafft hat. «Das ist wirklich eine unglaubliche Geschichte. Offensichtlich schauen die Scouts der NFL auch auf Deutschland», sagt Piwarz und macht jungen Talenten Mut.

Bis die GFL für talentierte Spieler eine echte Alternative zu einem US-College darstellt, ist es aber noch ein langer Weg. Im Vergleich zu anderen europäischen Football-Verbänden ist der AFVD jedoch gut aufgestellt. Über 200 Mannschaften sind in sechs Ligen organisiert, auch der Eurobowl wird vom deutschen Verband ausgerichtet.

Fotocredits: Britta Pedersen
(dpa)

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